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Mutter-Kind-Gesundheit: Aktiv in den ländlichen Gebieten Gabuns

Ort
Lambaréné, Gabun
Datum
16.07.2021
Weiterführende Informationen
Autor*in
Kira Feldt

Mutter-Kind-Gesundheit: Aktiv in den ländlichen Gebieten Gabuns

Mütter und ihre Kinder haben in Gabun ein hohes Risiko, Schwangerschaft und Geburt nicht zu überleben. Die Klinikpartner*innen Dr. Ghyslain Mombo-Ngoma aus Lambarené und Saskia Davi aus Hamburg möchten das ändern.

„Netzwerke zur Förderung von Mutter-Kind-Gesundheit in den ländlichen Gebieten Gabuns weiterauszubauen, ist hier das oberste Ziel”, sagt Dr. Ghyslain Mombo-Ngoma. Der Arzt arbeitet in Lambaréné, einer Mittelstadt im Landesinneren des zentralafrikanischen Staats. Die Stadt liegt wenige Kilometer südlich des Äquators und wird durch den Fluss Ogooué unterteilt. Ghyslain Mombo-Ngoma leitet dort die klinische Abteilung am Centre de Récherches Médicales de Lambaréné (kurz: CERMEL), das an das Albert-Schweitzer-Krankenhaus angesiedelt ist. Das CERMEL ist das wichtigste Forschungs- und Ausbildungszentrum in Zentralafrika. In Lambaréné und in den umliegenden Provinzen arbeitet Ghyslain Mombo-Ngoma zusammen mit seinen Kolleg*innen des CERMELs unter anderem im Bereich der Mutter-Kind-Versorgung. Sie arbeiten eng mit Mitarbeitenden des Gesundheitsministeriums zusammen, um Frauen und ihre Kinder besser vor, während und nach der Geburt zu versorgen.

Hohe Sterblichkeit von Müttern in Gabun

Die Versorgung von Müttern und ihren Kindern spielt weltweit eine wichtige Rolle in der Gesundheitsversorgung. „In Ländern, in denen es eine zuverlässige, bezahlbare, qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung für alle gibt, können Frauen und Babys überleben und sich gut entwickeln“, hat Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), anlässlich des 2019 veröffentlichten Reports „Levels and Trends in Child Mortality“ betont. Dies sei die Stärke von flächendeckender Gesundheitsversorgung. Laut Zahlen der WHO sterben 252 Mütter bei 100.000 Entbindungen in Gabun. Im Vergleich: In Deutschland sind es nur sieben. Ähnlich dramatisch ist die Sterblichkeit von Säuglingen: Im Schnitt überleben 20 Säuglinge pro 1000 Geburten in Gabun nicht. In Deutschland liegt die Sterblichkeit dagegen bei zwei Säuglingen pro 1000 Geburten (Quelle: WHO-Angaben Gabun, Deutschland).

Partnerschaft lebt von Kommunikation

Ein weiterer Aspekt in der Mutter-Kind-Gesundheit ist die Vorbeugung und Behandlung von sexuell übertragbaren Krankheiten. Wissen zu HIV und assoziierten Ko-Infektionen weiterzugeben, das gehört zu den Hauptanliegen des Projekts „Reduzierung der vertikalen HIV Transmission durch verbessertes Screening in der Geburtsvorsorge“. Das CERMEL trainiert gemeinsam mit dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin Hamburg (kurz: BNITM) Geburtshelfer*innen, Ärzt*innen und Pflegefachkräfte darin, wie sich das HIV-Virus von der Mutter auf das Kind überträgt. Die geschulten Mitarbeiter*innen aus Lambaréné und zwei weiteren Provinzen fungieren dabei als Multiplikator*innen: Sie geben ihr Wissen an ihre Kolleg*innen in mehreren Kliniken weiter. Das zweijährige Trainer*innen-Projekt der gabunischen und deutschen Partner*innen wird von dem GIZ-Förderprogramm Klinikpartnerschaften mit 50.000 Euro unterstützt. Seit August 2019 sind auf diese Weise acht Fachkräfte zu Multiplikator*innen ausgebildet worden. „Das Hauptziel des Projekts ist ‚train other trainers‘. Es lebt von der Kommunikation“, sagt die deutsche Klinikpartnerin und medizinische Projektkoordinatorin Saskia Davi. Die Hamburgerin ist seit April dieses Jahres vor Ort und arbeitet gemeinsam mit Ghyslain Mombo-Ngoma in der Gruppe Klinische Forschung am BNITM unter Leitung von Prof. Michael Ramharter.


Ghyslain Saskia
Die Klinikpartner*innen Dr. Ghyslain Mombo-Ngoma und Saskia Davi (2. u. 3. Person von links) zusammen mit Kolleg*innen auf einer Veranstaltung der American Society of Tropical Medicine and Hygiene (ASTMH). — Copyright: © Saskia Dede Davi
Fortbildung Lambaréné
Teilnehmer*innen und Trainer*innen trafen sich im CERMEL in Lambaréné im September 2019 für eine Fortbildung zur Reduzierung der vertikalen HIV Transmission in der Geburtsvorsorge. — Copyright: ©Rella-Zoleko-Manego

Reisebeschränkungen durch Covid19

Die Covid19-Pandemie habe es ihnen erheblich erschwert, die Trainings durchzuführen, bekennt Ghyslain Mombo-Ngoma. Der Arzt, der sein Medizinstudium in Gabun abgeschlossen und in den Niederlanden promoviert hat, wurde anschließend unter anderem an der London School of Hygiene and Tropical Medicine in Epidemiologie ausgebildet.

In Folge der Pandemie habe es nicht nur internationale Reisebeschränkungen gegeben, sondern auch Gabun selbst verbot diese innerhalb des Landes, erzählt seine Kollegin Saskia Davi. „Dadurch waren keine Reisen mehr zwischen den gabunischen Provinzen möglich. Das hat dazu geführt, dass wir nur noch mit den Krankenhäusern in Lambaréné weiterarbeiten und mit den anderen lediglich Telefonkontakte halten konnten oder per WhatsApp kommuniziert haben”, merkt sie an. Das werde dem Projekt nicht gerecht, findet die medizinische Projektkoordinatorin. Saskia Davi wird noch bis Ende des Jahres in Gabun bleiben und dann acht Monate am Stück vor Ort gewesen sein. Sie kennt die gabunischen Partner*innen mittlerweile sehr gut, es ist ihr fünfter Aufenthalt in dem Land. Alle Klinikpartner*innen versuchen, das Projekt so zu Ende zu führen, wie die Covid-Situation es zulässt, sagt Saskia Davi, die seit 2015 Medizin studiert und von 2018-2019 für ihre Doktorarbeit ein Auslandjahr in Gabun verbracht hat.

„Wir sind in sehr engem Kontakt“

Über das Mutter-Kind-Projekt hinaus arbeiten die beiden Klinikpartner*innen gemeinsam in der Gruppe Klinische Forschung. Ghyslain Mombo-Ngoma, der insbesondere zu den Gebieten Epidemiologie und Immunologie von Infektionskrankheiten forscht, ist in der Gruppe als ärztlicher und wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Vor Kurzem wurde er zum Professor am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf berufen. Ghyslain Mombo-Ngoma leitet dort die Forschungsgruppe Clinical Operations. Gemeinsam mit seiner Kollegin Saskia Davi teilt er die Ansicht, dass sich die Partnerschaft lohnt. „Wir sind in sehr engem Kontakt“, erzählt Saskia Davi begeistert. Die Partnerschaft zwischen dem CERMEL und BNITM bedeutet für Ghyslain Mombo-Ngoma, sich auf menschlicher Ebene zwischen der gabunischen und der deutschen Kultur auszutauschen und voneinander zu lernen. Darüber hinaus hebt er die Bedeutung ihrer gemeinsamen, wissenschaftlichen Forschung hervor.

Saskia Davi schätzt das GIZ-Förderprogramm Klinikpartnerschaften. „Ich finde das Programm deshalb gut, weil es die Möglichkeit gibt, Capacity building und Ressourcen wirklich zu stärken. Auf personeller und institutioneller Ebene“. Neben dieser Förderung hat das CERMEL seit Jahren auch weitere Förderbeziehungen, berichtet Ghyslain Mombo-Ngoma. Dabei beobachtet er eine interessante Entwicklung: Während frühere Programme stärker forschungsorientiert waren, liege der Schwerpunkt jetzt auf der Implementierung von Erkenntnissen vorangegangener Forschung. „Der nächste Schritt ist jetzt, dass wir umfänglich monitoren und evaluieren, was genau implementiert worden ist”, sagt er.

Mutter Kind Gesundheit Schulung
Im Zentrum für Mutter-Kind-Gesundheit in Lambaréné sensibilisiert die Trainerin Eliane Nkene im Februar 2020 zur HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind. — Copyright: © Jeanne Edwige Aouanet

Hilfe durch BMZ-Sondermittel

Neben dem Mutter-Kind-Projekt unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH gezielt durch eine Covid19-Sonderausschreibung. Das Förderprogramm Klinikpartnerschaften schrieb dazu im Sommer 2020 Gelder aus, damit Klinikpartner*innen direkte Hilfe vor Ort leisten konnten. Das deutsch-gabunische Projekt wurde mit seinem Antrag zur Pandemie-Eindämmung als förderungswürdig ausgewählt. Damit konnten die Ärztinnen und Ärzte Schutzausrüstungen und notwendiges Labormaterial kaufen. Die beiden Projekte zwischen CERMEL und dem BNITM werden jeweils mit 150.000 Euro gefördert. Gesundheitsmitarbeiter*innen können sich jetzt insbesondere in den ländlichen Gegenden in Zentralgabun besser vor einer Corona-Ansteckung schützen.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hatte mit den Sondermitteln von 4,5 Millionen Euro auf die weltweit gesundheitliche Katastrophe reagiert.

Schwer getroffen

Die Bewohner*innen im Umkreis von Lambaréné sowie seine eigene Arbeitsgruppe seien schwer von der zweiten Welle getroffen worden, erzählt Ghyslain Mombo-Ngoma. In seinem Team infizierten sich allein 25 Mitglieder im März und April dieses Jahres mit dem Covid19-Virus. Das CERMEL testet Personen aus Lambaréné und den drei umliegenden Regionen auf COVID-19. Dabei wenden die Mitarbeitenden sogenannte Standard Operating Procedures (SOPs) an, wie zum Beispiel zu Hygiene- und Sanitärmaßnahmen. Auf dem Land fehlt es oftmals an Diagnosekapazitäten, sagt Ghyslain Mombo-Ngoma. Diese möchte er daher ausbauen. Aber auch Wissen fachgerecht weiterzugeben, sei wichtig. „Um die Menschen zu erreichen, haben wir angefangen, über das Radio zu informieren, und uns mit den Leitungen der Communities zu treffen. Die Bewohner*innen sollen besser verstehen, was Covid19 ist und wie seine Risiken vermieden werden können“, meint Ghyslain Mombo-Ngoma. ‚Sensitize and sanitize‘ sei in diesem Kontext wichtig, so der Klinikpartner.

Bessere Vorsorge für schwangere Frauen auf dem Land

In den kommenden Monaten möchten die Mitarbeitenden vom CERMEL zusammen mit Saskia Davi und weiteren Kolleg*innen vom BNITM südöstlich von Lambaréné in dem Ort Sindara eine Sprechstunde mit risk screening für werdende Mütter und ihre Kinder eröffnen. Sindara liegt etwa eineinhalb Stunden von Lambaréné entfernt, entlang des Ngounie River. Durch ihn ist Sindara für die umliegenden Dörfer gut zu erreichen. „Das ist für die schwangeren Frauen einfacher, als nach Lambaréné zu fahren“, sagt Saskia Davi.

Die Klinikpartner*innen möchten gemeinsam mit den trainierten Multiplikator*innen Vorsorgeuntersuchungen zu Infektionskrankheiten, wie HIV und Malaria, aber auch zu nicht-übertragbaren Krankheiten anbieten. Und die perinatale Betreuung in den Gemeinden steht ebenfalls auf ihrer Agenda. Das nächste Projekt steht also schon in den Startlöchern.

Weltfrauentag - CERMEL 2020
Um gesellschaftlich mehr über Verhütung und sexuell übertragbare Krankheiten zu sprechen, hat im CERMEL anlässlich des Weltfrauentages 2020 eine offene Veranstaltung für Frauen stattgefunden, erzählt die Klinikpartnerin Saskia Davi vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). — Copyright: © Saskia Dede Davi
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